Zweites Community-Meeting 2025 in Bielefeld

Am 4. und 5. November 2025 kamen rund 60 Mitglieder des German Biobank Network (GBN) in Bielefeld zusammen. Gastgeberin war die Biobank OWL, geleitet von GBN-Vorstandsmitglied Dr. Gabriele Anton. „Das Community-Meeting bietet eine ideale Plattform, um Aktivitäten zu vernetzen, aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und gemeinsam Standards für die Zukunft des Biobankings in Deutschland zu setzen“, betonte Anton.

Biobank OWL: Lokale Forschung im Fokus

Zum Auftakt stellten Dr. Gabriele Anton und Prof. Dr. Thorsten Kaiser (Universitätsklinikum OWL) die Biobank OWL vor. Die Einrichtung entstand während der Corona-Pandemie und zählt heute zwei Standorte – an der Universität Bielefeld und am Klinikum Lippe. „Die Biobank stellt die Basis für hoch-qualitative Forschung dar, das gilt auch insbesondere, wenn wir die Zukunftsbereiche wie datengetriebene Medizin und KI-basierte Entscheidungsunterstützung wirksam weiterentwickeln wollen“, sagte Kaiser.

Ein zentrales Projekt, das die Biobank unterstützt, ist die Kindergesundheitsstudie „Kleine Eulen OWL“, die die Entwicklung des kindlichen Mikrobioms untersucht. Hier werden nicht nur humane Proben, sondern auch Umweltproben wie Hausstaub und Leitungswasser gesammelt.

GBN-Community in Aktion

Die Stärke des Netzwerks zeigte sich besonders am Beispiel der PEDNET-LC-Studie zu post-akuten Infektionssyndromen bei Kindern und Jugendlichen, vorgestellt von Prof. Dr. Alexandra Nieters (FREEZE-Biobank Freiburg). Sie schilderte, wie die Community kurzfristig SOPs geprüft, bei unbekannten Probenarten beraten und zentrale Fragen geklärt habe. „Das Projekt ist gelebte Community“, betonte Nieters, „weil wir unser Wissen teilen und damit einen direkten Beitrag zu komplexen, überregionalen Forschungsprojekten leisten.“

Arbeitsgruppen: Methoden, Daten und Qualität

Die GBN-Arbeitsgruppen präsentierten ihre Fortschritte und zukünftigen Ziele. Die AG Sammlungsbewertung, vorgestellt von Dr. Daniel Brucker (Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank Frankfurt), entwickelt einen Entscheidungsbaum, der Biobanken dabei unterstützen soll, bestehende wie externe Sammlungen systematisch zu bewerten. Ergänzt wird er durch eine Handreichung und eine geplante Publikation. Erste Ergebnisse werden im kommenden Jahr erwartet.

Dr. Philipp Schöppner (Comprehensive BioBank Marburg) präsentierte die Arbeiten der AG PBMC, die der Frage nachgeht, ob eingefrorene PBMCs „fit for purpose“ sind. Auf Basis einer Literaturrecherche sowie darauf aufbauend der Bestimmung präanalytischer Einflussfaktoren hat die Gruppe einen eigenen Qualitätsscore entwickelt. Der Fokus liegt nun darauf, die Erkenntnisse zu praxisnahen Empfehlungen für die Community zusammenzuführen.

Mit Blick auf Datenprozesse stellte Julian Dörenberg (Core Facility Biobank – „The Bänk“, Tübingen) die Aktivitäten der AG Datenqualität vor. Da bislang keine externe Qualitätskontrolle im Datenbereich existiert, plant die AG den ersten GBN-Datenringversuch, begleitet von einer Umfrage zu Datenimportwegen und Datensatzstrukturen. Ziel ist die Integration in das GBN-Qualitätsprogramm, um die externe Qualitätskontrolle von Daten national zu etablieren.

Qualitätsmanagement: Standards für das gesamte Netzwerk

Das übergreifende GBN-Qualitätsprogramm, vorgestellt von Nhutuyen Nguyen, GBN-Koordinatorin für Qualitätsmanagement, bildete einen weiteren Schwerpunkt des Meetings. Deutschland führt international die Liste der Länder mit den meisten Biobanken an, die bereits ein BBMRI-ERIC Quality Label tragen. Bis 2027 sollen voraussichtlich 15 GBN-Biobanken ausgezeichnet sein.

Ein zentrales Instrument zur weiteren Harmonisierung ist das gemeinsam mit BBMRI-Kolleginnen aus Belgien, der Schweiz und Polen entwickelte Quality Handbook for Biobanks, das als Leitfaden für die Implementierung und Verbesserung des Qualitätsmanagementsystems (QMS) von Biobanken dient und als Open-Access-Publikation verfügbar sein wird. Parallel dazu erarbeitet die AG ISO20387 Änderungsvorschläge für die systematische Überarbeitung der internationalen Biobanking-Norm.

„Eine Biobank-Plattform für Deutschland“: Strategische Weichenstellung

Ein strategisch bedeutsames Thema stellte Dr. Gabriele Anton mit der Initiative „Eine Biobank-Plattform für Deutschland“ vor. Das Vorhaben ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert und Teil der Hightech-Agenda des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Ziel ist eine zentrale digitale Plattform, die Proben und Daten bundesweit sichtbar macht und Forschungsanfragen koordiniert. Das Konzept wird von einem breiten Bündnis aus Wissenschaft, Industrie und Verbänden getragen. Damit entsteht eine bundesweit vernetzte Infrastruktur, die Forschung, Industrie und Patient:innen gleichermaßen zugutekommt.

Feedback aus der Community

Das Meeting in Bielefeld erhielt besonders von neuen Netzwerkmitgliedern ausgesprochen positives Feedback. So betonte Dr. Alessandro Grodziecki (BioMaterialBank Heidelberg), das Treffen sei „eine große Bereicherung“ gewesen, vor allem wegen der „beeindruckend unterstützenden Haltung der Community“. Auch für Dr. Lena Riesenegger von der Zentralen Biobank Ulm (CBBU), die noch im Aufbau ist, war der Austausch wertvoll: „Der direkte Kontakt zu anderen Standorten, die ähnlich strukturiert sind wie wir, hat uns enorm weitergeholfen.“

Fazit: Impulse für die Zukunft

„Das Treffen hat erneut gezeigt, wie wichtig gemeinsames Handeln für die Zukunft des Biobankings ist. Die Beiträge aus Forschung, Praxis und Qualitätsmanagement unterstreichen, wie vielfältig und zukunftsorientiert die Arbeit im GBN ist“, resümierte GBN-Vorstandssprecherin PD Dr. Sara Nußbeck.

Das nächste Community-Meeting findet am 23. und 24. April 2026 statt – zu Gast bei der Integrierten Biobank Mannheim (IBM).

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