Mitglieder des Forschungsverbundes OUTLIVE-CRC: Prof. Dr. Ruth Deck, Dr. Axel Künstner, Dr. Stefanie Derer, Prof. Dr. Timo Gemoll (vorne v.l.) sowie Prof. Dr. Alexander Katalinic, Prof. Dr. Hauke Busch, Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, Prof. Dr. Christian Sina und Dr. Martina Oberländer (hinten v.l.), Foto: Guido Weinberger/UKSH

BMBF fördert Lübecker Forschungsverbund

Die Prognose und Lebensqualität junger Patient*innen nach Darmkrebs zu verbessern: Dieses Ziel steht im Fokus des interdisziplinären Forschungsverbundes OUTLIVE-CRC am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und der Universität zu Lübeck. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit 6,6 Millionen Euro als „Forschungsverbund zur Prävention von Darmkrebs in jüngeren und künftigen Generationen“ im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs. Das Projekt ist für eine Laufzeit von sieben Jahren angelegt.

Starker Partner für das Biobanking: Interdisziplinäres Centrum für Biobanking-Lübeck

Zuständig für alle Biobanking-Aktivitäten des Verbunds ist das Interdisziplinäre Centrum für Biobanking-Lübeck (ICB-L). Bei der Partner-Biobank der German Biobank Alliance (GBA) handelt es sich um eine krankenhausintegrierte zentrale Biobank der Universität zu Lübeck in Kooperation mit dem UKSH am Campus Lübeck. „Das ICB-L unterstützt Spitzenforschung für Präzisionsmedizin zum Wohle der Patient*innen und ist dafür in zahlreiche nationale und internationale Forschungsnetzwerke eingebunden. Wir freuen uns sehr, ab sofort auch für OUTLIVE-CRC einen wichtigen Beitrag zu leisten“, sagt Dr. Martina Oberländer, kommissarische Präsidiumsbeauftragte des ICB-L. OUTLIVE-CRC wird koordiniert durch Dr. Stefanie Derer, Arbeitsgruppenleiterin am Institut für Ernährungsmedizin des UKSH und der Universität zu Lübeck, und Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie des UKSH und Vorstand des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH).

Biomarker als „Frühwarnsystem“

Junge Darmkrebs-Patient*innen unter 50 Jahren sind rückfallgefährdet und ihre Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben ist besonders stark beeinträchtigt. Daher sind neben wirksamen Vorsorge- und Früherkennungsprogrammen eine langfristige Nachsorge und eine Anpassung des Lebensstils erforderlich. Spezialist*innen verschiedener Disziplinen wie Onkologie, Ernährungsmedizin, Gastroenterologie, Chirurgie, Epidemiologie und Systembiologie haben sich zusammengetan, um Angebote zur Vermeidung oder möglichst frühen Erkennung eines Rückfalls zu entwickeln. Im Rahmen des Verbundes OUTLIVE-CRC (engl. Colorectal Cancer, kurz CRC) sollen aus Stuhl- und Blutproben der Erkrankten Informationen unter anderem über den Darmstoffwechsel, das Darmmikrobiom und weitere molekulare Ebenen erfasst und mittels künstlicher Intelligenz analysiert werden. Die Forschenden wollen so Biomarker finden, die besonders frühzeitig auf entstehenden Krebs hinweisen. Auch soll der Einfluss personalisierter Ernährung untersucht werden. Eine Besonderheit des Verbundes ist die kontinuierliche Einbindung von Patient*innen, um die Forschung eng an den Bedürfnissen von Betroffenen und ihren Angehörigen auszurichten. Partizipation wird in den Teilprojekten in verschiedenen Abstufungen umgesetzt, zum Beispiel in Form von Beratung, Mitwirkung oder Zusammenarbeit.

Inzidenz steigt stark an

Weltweit ist eine zunehmende Inzidenz von Darmkrebs im jüngeren Alter zwischen 20 und 50 Jahren zu beobachten. Hochrechnungen haben ergeben, dass bis 2030 die globale Inzidenz von Darmkrebs um rund 60 Prozent ansteigen wird; für das Jahr 2040 werden weltweit 3,2 Millionen neue Darmkrebsfälle prognostiziert. Es wird damit gerechnet, dass insbesondere europäische Länder von diesem besorgniserregenden Trend stark betroffen sind, der eine Herausforderung für das Gesundheitssystem darstellt. Rund 95 Prozent der Darmkrebserkrankungen treten sporadisch auf, das heißt, die genetischen Veränderungen entwickeln sich zufällig nach der Geburt eines Menschen. Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Alkoholkonsum, Fehlernährung, Körperfettanteil und geringe körperliche Aktivität, aber auch (chronische) Entzündungen im Darm können die Krebsentwicklung im Darm auslösen.

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